Maria Magdalena Z’Graggen

Friandises

Maja Näf, UBS Collection Basel, 2001

Maria Magdalena Z’Graggen’s künstlerisches Schaffen zeugt von einer beharrlichen Befragung der Malerei als Malerei, der Farbe als Farbe, des Malprozesses als Malprozess. Um mit den verschiedenen Aspekten der Malerei – Farbe, Malschichten, Malbewegung – umgehen und wieder Distanz finden zu können, arbeitet Z’Graggen zeitweise mit andere Medien wie der Fotografie oder dem Super-8-Film. Ihr Interesse gilt dabei nicht primär dem Dargestellten, letztlich sichtbaren Bild selbst, denn dieses ist im Grunde nur das Abbild oder das Ergebnis einer Bildidee. Dieser Idee des Bildes gilt Z’Graggens Fokus. Das Erahnen und Andeuten eines sich erst im Malprozess herausdestillierenden Bildes faszinieren sie. Z’Graggen möchte offene Bilder entstehen lassen, solche, die sich erst durch das Betrachten vervollständigen. In ihren Arbeiten erlangen die Malerei, das Malen und insbesondere die Farbe eine physische Präsenz. Die hier zu sehenden Bilder thematisieren verschiedene Aspekte der Malerei, indem sie das Malerische hervorzuheben suchen und so der Malerei buchstäblich auf den Grund gehen. Die drei kleinformatigen Tafeln gehören in den Kontext einer umfangreichen, 1999 begonnen Serie. Ihr Titel Friandises spielt auf das süsse Gebäck an, das nach einem guten Essen zum Kaffee serviert wird. Vor allem bei frühen Arbeiten aus dieser Serie stellen sich aufgrund ihrer teilweise knalligen Farbe oder den Pastelltönen sowie der Art ihres Farbauftrages Assoziationen an Tortenglasuren oder Lollipopps ein. Z’Graggen bezeichnet die Friandises als «Konzentrate von Farbe und Malerei». Die Bilder beschäftigen sich mit fundamentalen Elementen der Malerei sowie mit der Farbe. Sie untersuchen die Farbe als Material, die Beschaffenheit eines Farbtons ebenso wie dessen Zusammensetzung. Sie erkunden aber auch den Bildträger, den Farbauftrag, den Pinselstrich und die Textur der Oberfläche. Dabei geht es der Künstlerin nicht nur um die materielle Substanz der Malerei, sondern auch um deren Wahrnehmung. Z’Graggens künstlerisches Arbeiten beginnt stets mit den grundlegenden Bestandteilen der Malerei. In wenigen, elementaren Vorgängen baut sie aus deren Vokabeln ein neues Bild; Ein Holzträger, dessen Dicke und Format variieren, wird vorbereitet und grundiert. Mit dem Spachtel oder Pinsel trägt Z’Graggen die Farbe auf, welche sie häufig selber aus Pigmenten und Öl mischt. Jedes Bild ist ein anderes Experiment und eine erneute Untersuchung dessen, wie eine Farbe auf der grundierten Schicht erscheint, wie sie sich verhält, und welche Emotionen sie auszulösen vermag. Die Farbe fungiert als Akteur, dessen Rolle sich mit jeder Konstellation reformuliert. In diesen neueren Arbeiten scheint der horizontale oder vertikale Pinselstrich zudem eine Chiffre für den Malakt zu sein. Der Pinselstrich macht zudem die Bewegung sichtbar, welche die Dichte und das Verhalten der Farbe auf der Fläche mitbestimmt. Dies schreibt den Bildern eine Körperlichkeit ein, die sie sich auch auf der formalen Ebene durch die taktile Qualität der aufgetragenen Farblinien fortsetzt und derart das Bild zu einer mehrschichtig sinnlichen Erfahrung werden lässt.